Dr. Stephan Getzin | Naturwissenschaftler | Ökologe
Werdegang in Namibia
Namibia ist für mich mehr als ein Reiseziel. Es ist ein Land, das mich seit vielen Jahren begleitet, prägt und immer wieder neu fasziniert. Als ich nach Namibia kam, war das Land noch eine sehr junge Nation, die erst 1990 unabhängig wurde. Es war eine Zeit des Aufbruchs, nicht nur für die namibische Bevölkerung, sondern auch für mich.
Studium, Naturschutz und Praxisbezug
Zwischen 1997 und 2000 studierte ich Biologie und Geografie an der University of Namibia und schloss dort als erster deutscher Vollzeitstudent einen Bachelorabschluss ab. Diese Zeit war für mich prägend, fachlich als auch persönlich. Das Studium vor Ort ermöglichte mir einen tiefgehenden Einblick in ökologische, geografische, klimatische und gesellschaftliche Zusammenhänge Namibias und legte die fachliche Grundlage für meine spätere Forschungs- und Guide-Tätigkeit.
Erste Exkursionen der Universität führten mich 1997 in die Namib und 1998 zur Wüstenforschungsstation Gobabeb, dessen assoziiertes Mitglied ich bin. In meiner Bachelorarbeit befasste ich mich damit, wie die Beweidung durch Antilopen und Zebras die Grasarten in der Hochlandsavanne Namibias beeinflussen.
Während dieser Zeit war ich auch im namibischen Naturschutz engagiert und arbeitete im Umfeld des Integrated Rural Development and Nature Conservation (IRDNC)-Programms mit. Ziel dieses Projekts ist der Schutz von Wildtieren außerhalb der traditionellen Nationalparkgrenzen. Das IRDNC-Projekt und sein Gründer, Garth Owen-Smith, wurden mit vielen der höchsten Umweltpreise ausgezeichnet, wie dem Goldman Environmental Prize for Africa oder dem Global 500 Award des UN-Umweltprogramms. Es ist zu einem der erfolgreichsten Naturschutzprojekte auf dem afrikanischen Kontinent geworden, weil es einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, bei dem die Landbevölkerung ihre alten Jagdrechte zurückerhält und Frauen aktiv in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Ich begleitete John Kasaona - den jetzigen Direktor des Projekts - auf verschiedenen Touren ins Kaokoveld, wo zum Beispiel die Grenzlinien des neuen Hegegebiets im Marienfluss oder im Hartmanns-Tal mit den lokalen Himba ausgehandelt wurden. Es waren diese Touren im Rahmen des IRDNC-Projekts im entlegenen Nordwesten Namibias, die mich 1999 schließlich zu den Feenkreisen führten.
Die Mitarbeit im Rahmen von IRDNC vermittelte mir früh ein praxisnahes Verständnis dafür, wie nachhaltiger Naturschutz in Namibia funktioniert: als Zusammenspiel von Ökologie, lokalen Gemeinschaften, wirtschaftlichen Interessen und politischem Rahmen. Diese Erfahrungen, die ich 1999 auch in der Allgemeinen Zeitung Namibias niederschrieb, beeinflussen bis heute meinen Blick auf Landschaften, Schutzgebiete und die Rolle des Tourismus im Land.
Forschung zur Ökologie der Namib-Wüste
Seit über 25 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Savannen und der Ökologie der Namib-Wüste – einer der ältesten und zugleich sensibelsten Wüstenlandschaften der Erde. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf den sogenannten Feenkreisen, einem Naturphänomen, das exemplarisch zeigt, wie komplex und fein ausbalanciert die Prozesse in diesem Lebensraum sind. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema führte zu zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen und zu einer breiteren öffentlichen Wahrnehmung. Über entsprechende Forschungsergebnisse wurde unter anderem in amerikanischen, namibischen und deutschen Medien berichtet.
Die jahrelange Forschung führte zu einer neuen Erkenntnis: Pflanzen sind wesentlich „intelligenter“ als bisher vermutet. Sie verfügen über eine Schwarmintelligenz, mit der sie mangelnde Ressourcen wie Bodenwasser aktiv zu ihren Gunsten umverteilen. Diese Selbstorganisation der Pflanzen hilft ihnen bei extremer Trockenheit zu überleben. Deshalb findet man in der Namib nicht nur Feenkreise, sondern auch viele andere Pflanzenarten, die kreisrunde Ringe und andere Muster bilden. Details zu diesen Forschungsergebnissen habe ich eigens auf der Webseite
www.fairy-circles.info zusammengestellt.
Wissen verständlich vermitteln
Wichtig ist mir stets, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und einordnend zu vermitteln. Aus diesem Anspruch heraus sind auch die Rubriken „Feenkreise“ und „Wussten Sie schon…?“ auf dieser Webseite entstanden. Dort greife ich Fragen und Beobachtungen auf, die sich viele Reisende stellen, wenn sie Namibia bewusst erleben: Warum wächst hier etwas – und dort nicht? Wie passt sich Leben an extreme Bedingungen an? Und was erzählen Landschaften, wenn man genauer hinschaut?
Diese Haltung prägt auch meine Touren. Auf meiner speziell angebotenen Forscher-Tour geht es nicht darum, möglichst alle bekannten Highlights des Landes zu sehen, sondern darum, Zusammenhänge zu erkennen. Wir nehmen uns Zeit, beobachten, stellen Fragen und ordnen das Gesehene ein – immer mit Respekt vor Natur, Kultur und Menschen. Viele Orte entfalten ihre Bedeutung erst dann, wenn man versteht, wie sie entstanden sind und welche Rolle sie im größeren ökologischen Gefüge spielen. Durch meine vielen Forschungsreisen kann ich Ihnen hier die entsprechenden Einblicke vermitteln, denn aufgrund von Sondergenehmigungen habe ich praktisch jede noch so entlegene Region Namibias kennengelernt. Dies schließt unter anderem Fahrten auf das Gamsberg-Plateau, ins Sperrgebiet, zum Tsondab Vlei oder andere nicht offiziell zugängliche Winkel im Namib-Naukluft Nationalpark ein. Unabhängig davon richtet sich mein Tour-Angebot an alle, die Naturerlebnisse und Abenteuer schätzen – ebenso wie an Menschen mit Interesse an Themen wie Fotografie oder Kultur.
Wissensvermittlung an Tourguides
Neben meiner Tätigkeit als Forscher ist es mir seit 2019 auch ein Anliegen, spezielles Wissen an namibische Tourguides weiterzugeben. Die Tourguides der verschiedenen Unternehmen und Lodges sind schließlich diejenigen, die den engsten Kontakt zu nationalen und internationalen Touristen haben. Im November 2025 fanden sich auf Wolwedans im NamibRand-Naturschutzgebiet über 20 Tourguides ein, um meinem ganztägigen Workshop „Feenkreise und Pflanzenanpassungen an Wasserstress in der Namib“ beizuwohnen.
Meine Aufgabe sehe ich heute darin, Gästen Namibia so näherzubringen, wie ich es selbst kennengelernt habe: vielschichtig, leise, manchmal widersprüchlich, aber immer beeindruckend. Wer mit mir unterwegs ist, soll nicht nur sehen, sondern verstehen – und Einblicke gewinnen, die über das hinausgehen, was in klassischen Reiseführern zu finden ist.
Ein Rückblick in Bildern
Erleben Sie exklusiv:
- die uralte Namib-Wüste
- Namibias einzigartige Ökologie
- die mysteriösen Feenkreise
- das wilde Damaraland und Etosha
- wissenschaftliche Infos zu Namibias Natur
- tolle Unterkünfte und gutes Essen
