Wussten Sie schon…

…dass Savannen mit ihren parkähnlichen Baumlandschaften ein Naturrätsel sind?

Savannen sind typisch für Afrika und somit auch für große Teile Namibias. Das besondere Merkmal einer Savanne ist die Koexistenz von einer kontinuierlichen Grasschicht und vereinzelt stehenden Bäumen. Das ist recht ungewöhnlich denn normalerweise dominiert nur einer von beiden in den meisten Ökoregionen der Erde. Im tropischen Regenwald, in der Taiga Asiens oder in den Laub- und Nadelwäldern Mitteleuropas dominiert dichter Wald aber keine Gräser. In gemäßigten Grasländern wie der nordamerikanischen Prärie, der argentinischen Pampas oder der mongolischen Steppe dominieren nur Gräser aber keine Bäume. Warum in Afrikas Savannen beides zusammen koexistieren kann, ohne dass eine Vegetationsschicht die andere durch Konkurrenz um Lebensraum verdrängt, dies ist seit vielen Jahrzehnten ein Rätsel und Wissenschaftler führen spätestens seit Anfang der 1980-er Jahre bis heute eine intensive Debatte darüber.

Interessanter Weise nahm diese Debatte schon in den 1930-er Jahren ihren Anfang – und zwar in keinem anderen Land als Namibia, dem damaligen Süd-West Afrika. Zu dieser Zeit war der deutsche Ökologe Prof. Heinrich Walter vor Ort und stellte die sogenannte Zweischichten-Hypothese auf. Diese besagt, dass Gräser hauptsächlich in den oberen Bodenschichten das Wasser nutzen und Bäume mit ihren längeren Wurzeln weitestgehend von den unteren Schichten mit Wasser versorgt werden, sodass sie einer direkten Konkurrenz durch Besetzung zweier unterschiedlicher Nischen aus dem Weg gehen. Namibia mit seinem stark zunehmenden Jahresniederschlag von unter 50 mm an der Westküste bis hin zu über 600 mm Regen im Nordosten des Landes ist ideal geeignet, um den Einfluss des verfügbaren Wassers auf die Vegetationsschichten zu untersuchen. Heinrich Walter behauptete dass von 100 mm bis 250 mm Jahresniederschlag die Gräser überwiegend dominieren, weil das spärliche Regenwasser gar nicht erst tiefere Bodenschichten erreicht, die von vielen Bäumen genutzt werden könnten. Allerdings können vereinzelte Bäume von tief liegenden permanenten Wasserschichten leben. Ein Paradebeispiel hierfür ist der für Namibia so typische Kameldornbaum, dessen Wurzeln bis über 60 m tief reichen können. Mit zunehmenden Regen bis 500 mm seien die Gräser weiterhin funktional dominant, aber sie müssten nun auch mehr Bäume dulden. Bei über 500 mm jedoch beginnen die Bäume stark zu dominieren und nun werden die Gräser von den Bäumen geduldet. Tatsächlich kann man in Namibia den Einfluss des zunehmenden Regens auf die Bäume sehr gut beobachten, wenn man zum Beispiel Richtung Caprivi in den Nordosten fährt. Je näher man sich dem Caprivi nähert, desto höher werden die Bäume und desto dichter stehen sie.

Wir hatten im Jahr 2013 Walters Zweischichten-Hypothese durch eine umfangreiche Recherche zu allen Forschungsarbeiten zum Thema untersucht. Tatsächlich haben die meisten Studien zur Wurzeltiefe von Gräsern und Bäumen in den weltweiten Savannen gezeigt, dass sich beide Vegetationsschichten überwiegend keine Konkurrenz machen, was die Koexistenz der beiden erklärt. Allerdings sind Savannen sehr vielfältig – sie können stark von Beweidung oder Bodentypen beeinflusst sein und bei über 600 mm Jahresniederschlag hat Feuer eine zunehmende Bedeutung für die Baum-Gras-Koexistenz. In vielen Fällen versucht man also immer noch das Savannen-Rätsel besser zu verstehen, insbesondere dann wenn es um das Verhindern von starker Verbuschung geht, was den Wert von Weideland herabsetzt.

Eine typische namibische Savanne im Khomas-Hochland mit vereinzelten Bäumen und Büschen. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt hier ungefähr 300 mm und die Gehölze sind recht niedrig.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Willkommen bei NAMIBIA-ECO-TOURS. Durch mein Studium in Namibia und Interesse an Wüstenökologie kenne ich das außergewöhnlich schöne Land nun seit über 20 Jahren. Ich lade Sie ein auf eine exklusive Reise durch Namibia.