Wussten Sie schon…

…dass es in Afrika keine Akazien gibt?

Dass in Namibia die stachelige Hoodia gordonii oder die kakteenähnliche Euphorbia virosa nicht zu den Kakteen gehören, das ist vielleicht bekannt, aber dass es keine Akazien in Afrika gibt – das klingt doch eher wie ein schlechter Witz, oder? Gibt es denn sonst eine typischere Vorstellung von Afrika als eine offene Akazien-Savanne im Sonnenuntergang?

Dornige Baumarten wie die Schirm-Akazie (Acacia tortilis) in Ost-Afrika oder die Kameldorn-Akazie (Acacia erioloba) in Namibia sind seit fast 200 Jahren der regionale Inbegriff für das afrikanische Landschaftsbild. Mit der Acacia nilotica (Ägyptischer Schotendorn) wurde 1754 zudem die Gattung Acacia erstmals von Philip Miller für eine Art beschrieben, die in Afrika sehr weitverbreitet ist. In der Taxonomie gelten solche Erstbeschreibungen einer sogenannten „Typus-Art“ als die Grundlage für die Namensgebung der Gattung, weshalb alle nach 1754 in Afrika entdeckten Akazien-Arten eben zur Gattung der Akazien gezählt wurden.

Nun, Sie ahnen es sicherlich schon, haben mit der Jahrtausendwende neue Techniken wie die DNA-Analyse ergeben, dass die weltweit verbreitete Gattung der Akazien korrekter Weise in mindestens fünf verschiedene Gattungen unterschieden werden müsste. Die neuen molekular-basierten Techniken vergleichen nämlich ganz genau, Base für Base, die genetische DNA-Sequenz und somit können sie viel präziser evolutionäre Verwandtschaften belegen oder widerlegen als rein morphologische Vergleiche. Somit kam es in 2005, dass die Australier für ihre rund 960 weitestgehend dornlosen Akazien-Arten forderten, dass diese den Gattungsnamen Acacia tragen dürfen, wohingegen die rund 150 afrikanischen Akazien-Arten mit ihren typischen Dornen in die zwei unterschiedlichen Hauptgattungen Vachellia und Senegalia umbenannt werden sollen. Im Jahre 2011 wurde diesem Antrag auf dem 18. Internationalen Botanischen Kongress in Melbourne stattgegeben. Somit wurde erstmalig in der Geschichte der Systematik die Typus-Art gewechselt – hin zu einer nur in Australien vorkommenden Akazien-Art (Acacia penninervis). Es gibt nicht wenige Menschen, Wissenschaftler und Nicht-Wissenschaftler zugleich, die in diesem einmaligen Vorgang eine hauptsächlich politisch motivierte Umbenennung sehen, denn so sollte Taxonomie eigentlich nicht funktionieren. Die Australier argumentieren hingegen, dass es weitausaus aufwendiger gewesen wäre, rund 960 australische Akazien-Arten umzubenennen und ebenso würde die Umbenennung für den kommerziellen Vertrieb von australischen Akazien-Produkten für viel Verwirrung sorgen.

Die Entscheidung ist jedenfalls seit 2011 gefallen. Ost-Afrikas ikonische Schirm-Akazie heißt nun nicht mehr Acacia tortilis sondern Vachellia tortilis und auch der für Namibia so typische Kameldornbaum heißt nun nach 175 Jahren nicht mehr Acacia erioloba sondern Vachellia erioloba. Eine gute Nachricht gibt es dennoch. Alle weltweiten Akazien-Arten, ob australische Acacia oder “neue” afrikanische Vachellia, gehören letztlich zum übergeordneten Tribus der Acacieae und somit ist es im allgemeinen Sprachgebrauch nicht ganz falsch von Akazien (Acacia sensu lato) zu sprechen. Einen ähnlichen sprachlichen Fall gibt es übrigens im australischen Outback. Dieser wird weitestgehend von den bekannten Spinifex-Gräsern dominiert. Allerdings ist der eigentliche Gattungsname dieser Gräser Triodia und die Spinifex Gattung selbst kommt hauptsächlich nur in australischen Küstengebieten vor.

Schirm-Akazien (Vachellia tortilis, zuvor Acacia tortilis) in der ostafrikanischen Serengeti sind der Inbegriff einer Savannenlandschaft.

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